Klinikneubau im Rückblick

Bedarfsanalyse

70 Prozent mehr Patienten bis 2030

(Stand 2008) Das Benedictus Krankenhaus Feldafing mit seinen drei Fachbereichen ein renommierter Spezialist für die Weiterbehandlung und Rehabilitation von Menschen, die durch einen vorhergegangenen Klinikaufenthalt erhebliche Einschränkungen ihrer Eigenständigkeit in Kauf nehmen müssen. Für unsere Fachabteilungen besteht im Münchner Süden bis zum Alpenrand eine vollständige Versorgungslücke, in der gesamten Region um die Landeshauptstadt ist das Angebot sehr dünn. Die fokussierte Ausrichtung auf die Behandlung älterer Patienten mit Orthopädie, Neurologie und Geriatrie unter einem Dach ist auch im erweiterten Umkreis einmalig. All unsere Patienten werden in den jeweiligen Fachabteilungen mit der größten medizinischen Kompetenz individuell auf ihren Alltag zu Hause vorbereitet.

Leider müssen in letzter Zeit immer mehr Patienten abgelehnt werden, da die bestehende Kapazität des Hauses nicht für alle ausreicht, die gerne bei uns behandelt werden möchten. Und aufgrund des demographischen Wandels ist in den kommenden Jahren noch einmal mit einem deutlich gesteigerten Bedarf zu rechnen. So hat das bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung in einer regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung ermittelt, dass die Zahl der Bürger im Landkreis Starnberg zwischen 60 und 75 Jahren im Vergleich bis 2030 um 47 Prozent steigen wird – bei den über 75-Jährigen sogar um 90 Prozent. Gerade im orthopädischen, neurologischen und geriatrischen Bereich zieht das einen erhöhten Bedarf an hochqualitativen Versorgungsstrukturen nach sich: Zu erwarten ist hier ein Mehr an Patienten von knapp 70 Prozent. Um diesem Bedarfsanstieg weiterhin auf höchstem medizinischen aber auch menschlichen Niveau gerecht werden zu können, ist die Investition in einen Klinikneubau für uns unabdingbar.

Bild Bedarfsanalyse

Entwicklung des Kasernenareals

Offenheit und lebendige Begegnung

Seit 2005 befasst sich der Feldafinger Gemeinderat mit der Aufgabe der Fernmeldeschule durch die Bundeswehr und der damit verbundenen Umnutzung des Geländes. In einem großen, moderierten Bürgerbeteiligungsprozess wurde über Jahre hinweg ein Leitbild für Feldafing entwickelt und im Gemeinderat verabschiedet. Dort heißt es unter anderem: „Offenheit und lebendige Begegnung mit der Jugend und dem Alter, mit vielen Nationen, Kommunikation mit Toleranz untereinander und mit dem Nachbarn. So wünschen wir uns Feldafing als unsere Heimat, in der Bürger mit Herz und Verstand zusammen arbeiten.“ Vor allem in einem Punkt war man sich nach dem Bürgerbeteiligungsprozess einig: Das Kasernenareal soll schwerpunktmäßig für die Themen Lehre und Forschung, Freizeit und Erholung, Kultur und Bildung sowie Gesundheit und Soziales genutzt und in die Gemeinde integriert werden.

Zwei dieser im Leitbild festgehaltenen Themengebiete können nun bereits mit dem Neubau des Benedictus Krankenhauses mit Leben gefüllt werden. Als akademisches Lehrkrankenhaus der TU München leistet die Klinik nämlich nicht nur einen Beitrag zur lokalen Gesundheitsversorgung der Bürger, sondern treibt auch die Weiterentwicklung von Behandlung und Therapie in Forschung und Lehre voran. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir dem Feldafinger Bürgerwillen entsprechen und als erste Nutzer dazu beitragen können, dem alten Kasernengelände ein neues, lebendiges Gesicht zu geben.

Architektur

Wie sieht das optimale Krankenhaus aus?

Auf den ersten Blick klingt die Aufgabe für die Architekten einfach: Sie sollen ein flächenmäßig sowie hinsichtlich der beabsichtigten Krankenhausnutzung zeitgemäßes und optimiertes Gebäudekonzept mit hohem Gestaltungsanspruch entwickeln – kurz zusammengefasst: „das optimale Krankenhaus“. Doch wie immer ist es der zweite Blick der zählt. Denn was bedeutet „optimal“? Und für wen? Hier geht es nicht nur darum, einen Neubau mit ausreichenden Kapazitäten entsprechend den medizinisch-technischen Herausforderungen eines Krankenhauses zu entwerfen. Denn genauso wichtig ist uns der Aspekt einer verträglichen und ortsbezogenen Gestaltung auf diesem landschaftlich herausragenden Grundstück.

Die architektonischen Eckpunkte im Überblick:

  • Durch vier zentral verbundene Gebäuderiegel wird die Klinik visuell unterteilt. Patienten und Besuchern wird so die Orientierung erleichtert. Darüber hinaus nimmt man jeweils nur einen Teilbereich des Gesamtgebäudes wahr, was diesem eine besondere Leichtigkeit verleiht.
  • Ein ähnlicher Ansatz der Differenzierung gilt bei der Fassadengestaltung und deren Staffelung: Zwar bleibt die Gebäudehöhe ohnehin unterhalb des umgebenden Baumbestandes. Indem das 1. Obergeschoss über einem Sockelgeschoss als „gläserne Fuge“ ausgebildet wird, erscheint der Bau jedoch zusätzlich niedriger. Die von den gläsernen Fassaden der Obergeschosse zugänglichen Balkone mit transparenten Brüstungen betonen darüber hinaus erneut die architektonische Leichtigkeit.
  • Terrassenförmig angelegt fügt sich das Gebäude perfekt in die Hanglage des Grundstücks ein. Der südliche Gebäuderiegel erhält als niedrigster eine Dachterrasse, die Patienten und Besucher dazu einläd den oft sorgenbeladenen Krankenhausalltag für einen Moment hinter sich zu lassen.
  • Verwendete Materialien wie Naturstein, Holz, Putz und Glas sind zu großen Teilen heimische Baustoffe. Auch das trägt zur betont naturnahen Bauweise bei.
  • Durch die großflächigen Verglasungen und die umlaufenden Balkone werden die grünen Außenanlagen von vielen Punkten des Gebäudes sichtbar. Aufgrund der Gebäudekonfiguration der „Vier Höfe“ wird zudem eine landschaftliche Verflechtung mit der Umgebung erreicht. Dabei öffnen sich die südlichen Höfe konsequent zum Außenraum und beziehen diesen ein. So entsprechen sie ganz dem Ziel der Durchgrünung des Areals mit parkähnlicher Gestaltung. Auch die der nördlichen Grundstücksgrenze zugewandten Bereiche - eigentlich Funktionen wie Anlieferung und Besucherparken vorbehalten - sind stark begrünt und passen sich somit perfekten die umgebende Naturfläche an.

Einbettung in die Umgebung

Der Wert der landschaftlichen Umgebung des Grundstücks ist uns nicht nur bewusst, sondern für unsere Bauplanungen von zentraler Bedeutung. Daher wurde ein Landschaftsplanungsbüro beauftragt, das an einem geschichtsträchtigen Ort mit langer Gartentradition beheimatet ist: die Königliche Gartenakademie in Berlin. „Landschaftsplanung hat grundsätzlich die Aufgabe, den Genius Loci oder auch die besondere Aura eines Ortes mit den Notwendigkeiten der Veränderung in Einklang zu bringen“, so die renommierte Landschaftsarchitektin Gabriella Pape.

Anknüpfung an die gewachsene Gartenkultur der Region

Derzeit sind auf dem Grundstück über 19.000 Quadratmeter bebaut oder mit größtenteils nicht sickerfähigen Oberflächen versiegelt. Gemäß dem Grünanlagengestaltungskonzept wird die versiegelte Fläche insgesamt reduziert, zusätzlich werden große Teile durch geeignete Maßnahmen ökologisch und ästhetisch aufgewertet. Die Gestaltung schließt nicht nur existierende Wildwiesen der Umgebung mit ein, sondern erlaubt auch die Naturalisierung vorhandener Orchideenkulturen sowie anderer einheimischer Wiesenblumen. Aus einer Mischung von Wildwiesen, organischen Staudenpflanzungen und einheimischen Blütenbäumen entsteht hier sowohl eine ökologische Oase für Flora und Fauna als auch eine Parklandschaft, die von allen Bürgern genutzt werden kann. Gleichzeitig bietet sie eine optische Anbindung an den großen angrenzenden Lenné Park. Ein Fußwegenetz macht die Parkflächen zugänglich und schafft eine direkte Verbindung von der Siemensstraße zum Starnberger See.

Integration ins landschaftliche Umfeld

Da das neu errichtete Krankenhausgebäude unterhalb der Baumlinie liegen wird, kann es – ebenso wie die aktuelle Bebauung der Bundeswehr – aus dem Ort heraus von keinem Punkt aus gesehen werden. Darüber hinaus legen wir ganz im Sinne der Schlösser- und Seenverwaltung höchsten Wert darauf, dass die neue Bebauung die Ansicht des Seeufers in keinster Weise stört. Tatsächlich wird das Krankenhaus vom Westufer aus überhaupt nicht und vom Ostufer aus nur von einzelnen Stellen minimal zu sehen sein, wie die folgende Visualisierungen der Büros Reinhart + Partner und Virtuell Visuell zeigen:

Arbeiten und Wohnen

Den Spagat zwischen Berufs- und Privatleben unterstützen

Hervorragende Medizin lebt vor allem von hervorragenden Mitarbeitern. Gerade im attraktiven Fünfseenland kristallisiert sich hierbei in letzter Zeit eine ganz besondere Herausforderung heraus: die Schaffung günstig gelegenen und bezahlbaren Wohnraums.

Um dem demographischen Wandel und dem damit langfristig steigenden Bedarf an Rehabilitationsplätzen optimal gerecht zu werden, sind im „neuen“ Benedictus Krankenhaus Feldafing rund 150 zusätzliche Stellen in unterschiedlichen Berufsgruppen vorgesehen. Bereits heute werden 32 Wohneinheiten am Ende der Siemensstraße von Mitarbeitern der Klinik bewohnt. Leider ist der Wohnblock aus den 1960er Jahren den heutigen Ansprüchen nicht mehr gewachsen. Um unseren Mitarbeitern und ihren Familien ein attraktives und arbeitsplatznahes Wohnen ohne zeitraubendes Pendeln zu ermöglichen, sollen deshalb stattdessen entlang der Siemensstraße 48 unterschiedlich große Wohnungen entstehen. Dafür haben wir vor, vier dreigeschossige, auf die Umgebung abgestimmte Wohnhäuser zu bauen, die architektonisch den Villencharakter der Siemensstraße weiter fortführen.



Als moderner und sozialer Arbeitgeber sehen wir uns in der Pflicht, unsere Mitarbeiter bei dem Spagat zwischen Berufs- und Privatleben bestmöglich zu unterstützen. Im Rahmen dessen beabsichtigen wir langfristig auch den Bedarf unserer Mitarbeiter an Wohnungen abzudecken. Für Mitarbeiter, die auf die S-Bahn-Anbindung angewiesen sind, ist ergänzend ein Fahrradverleih geplant, um die Distanz zwischen Bahnhof und Klinik zurückzulegen. So kann – ganz im Sinne eines Krankenhauses – aktiv in Umwelt und eigene Gesundheit investiert werden. Schließlich sind wir davon überzeugt, dass unsere bestehende Belegschaft auch deswegen stetige Höchstleistungen zum Wohle der Patientenversorgung erbringt, weil sie sich bei uns wohlfühlt und gerne bei uns arbeitet. Das soll auch in Zukunft so bleiben!

Rücksichtsvolle Umsetzung

Wahrung nachbarschaftlicher und ökologischer Interessen

Im laufenden Planungsverfahren kam vermehrt die Befürchtung auf, die Anwohner des benachbarten Wohngebietes könnten mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen und einer damit einhergehenden Schmutz- und Lärmbelästigung konfrontiert werden. Dies wird nicht der Fall sein. Während der Bauzeit wird der gesamte Baustellenverkehr die Einfahrt zum Kasernengelände nutzen können. Die Anfahrt dorthin wird – von wenigen Ausnahmen abgesehen – über die B2, die Garatshauserstraße und die Tutzinger Straße erfolgen. Eine zusätzliche Verkehrsbelastung im Ort Feldafing ist damit ausgeschlossen. Auf dem Gelände des Krankenhauses errichten wir eine temporäre Baustraße, die nach Fertigstellung des Krankenhausgebäudes und Abzug der Bundeswehr komplett rückgebaut wird. Für diese war ursprünglich eine Trasse vorgesehen, die parallel zum Eichgraben verlaufen wäre. Aus Rücksicht auf die Einwände der Anwohner konnte hier jedoch inzwischen in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr eine neue Trassenführung gefunden werden. Diese verläuft nun ganz im Süden des Krankenhausgrundstücks, was sowohl eine Beeinträchtigung des Eichgrabens als auch eine Lärm- und Schmutzbelästigung der Anwohner ausschließt. Die Bundeswehr hat diesen neuen Trassenverlauf mit den betrieblichen Anforderungen der Kaserne und den Sicherheitsbestimmungen bereits überprüft und freigegeben.


Auch eine Belastung der Anwohner in der Siemensstraße wird langfristig ausgeschlossen. So plant die Gemeinde, die Siemensstraße auf Höhe des Eichgrabens zu unterbrechen und damit die Klinik mit den Mitarbeiterwohnungen sowie das Siemens-Tagungszentrum und das restliche Kasernenareal nur für Fahrrad- und Fußgängerverkehr unmittelbar an den Ortskern anzubinden. Der motorisierte Verkehr zum Klinikgelände wird somit nach Abzug der Bundeswehr ausschließlich über die Tutzinger Straße erfolgen. Da diese Neuregelung auch für das Siemens-Tagungszentrum gelten soll, werden die direkten Anwohner durch den ausgelegten Bebauungsplan langfristig deutlich entlastet. Das verminderte Verkehrsaufkommen in der Ortsmitte wird nach dem Umzug des Klinikbetriebs an den Ortsrand für eine zusätzliche Entlastung sorgen.