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Ein Ort, an dem die Seele heil werden kann

Segnung der Kapelle im neuen Benedictus Krankenhaus Feldafing

Einladend wirkt sie, freundlich und warm: Eine schlichte Marienstatue aus Naturholz mit ausgestreckten Armen heißt die Besucher willkommen, ein großformatiges Bild sorgt für eine fröhliche, friedvolle Atmosphäre. Die Krankenhaus-Kapelle des neu gebauten Benedictus Krankenhauses Feldafing ist eine Oase der Stille innerhalb des Klinikalltags. Nach der Einsegnung des gesamten Neubaus vor wenigen Wochen fand am Freitag auch hier die offizielle Segnung durch Pfarrer Peter Brummer, Pfarrerin Susanne Räbiger, Diakon Werner Schwarzwalder und Sr. Veronika Sube OSB statt.

„Schenke mir Geborgenheit, wie ein Haus, in das ich jederzeit kommen kann! Du hast doch beschlossen, mich zu retten! Ja, du bietest mir Schutz, du bist meine Burg“, zitierte die offizielle Einladung zur Kapellen-einsegnung aus dem Buch der Psalmen und griff damit auf, mit welchem Hintergrundgedanken diese gebaut und gestaltet wurde: als ein Ort für Patienten/innen, Angehörige und Mitarbeiter/innen des Hauses, an dem man Ruhe und Geborgenheit finden kann.

„Selbstverständlich steht die körperliche Heilung in einem Krankenhaus an erster Stelle. Dennoch gehören Körper, Geist und Seele untrennbar zusammen. Im klinischen Alltag begleite ich unter anderem Patienten/innen und deren Angehörige in ganz existentiellen Fragen. Kann ein Leben mit Krankheit, mit Schmerzen, mit körperlichen Einschränkungen gelingen, ist es überhaupt lebenswert?“, erklärt Sr. Veronika Sube OSB, die seit vielen Jahren als Seelsorgerin im Benedictus Krankenhaus Feldafing tätig ist und die Menschen ganz individuell in ihren verschiedenen Lebenswirklichkeiten abholt. „Ein Zeichen unserer Zeit ist die Vereinsamung der Menschen, aber auch die Altersarmut. Oft geht es um ein Loslassen der eigenen vier Wände, der Familie und die Unterbringung in Alten- und Pflegeheimen oder in altersgerechten Wohngruppen.“

Sr. Veronika kennt die unterschiedlichen Facetten des Genesungsverlaufs und ist Teil des großen Teams aus Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten in Feldafing. Wie ihre Mitschwestern ist auch sie ein Paradebeispiel dafür, wie vielfältig die Tutzinger Missions-Benediktinerinnen in ihren Berufsbildern aufgestellt sind. Ursprünglich gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin und später Medizinstudentin, schloss sie nach dem Ordenseintritt zunächst eine theologische und seelsorgerische Ausbildung ab. Im Laufe der Jahre hat sich ihr Aufgabengebiet innerhalb der Seelsorge erweitert. Zunehmend wurde Sr. Veronika mit ethischen Fragestellungen konfrontiert, so dass sie nach einem zweijährigen Studium der Angewandten Ethik an der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster mit dem Schwerpunkt Medizinethik und Wirtschaftsethik ihren „Master of Advanced Studies in Applied Ethics“ erwarb. Daraufhin rief sie 2016 ein interdisziplinäres klinisches Ethik-Komitee ins Leben, dessen Vorsitzende sie nach wie vor ist. Sr. Veronika weiß: Ethische Zielsetzungen sind ein wesentlicher Bestandteil des Auftrags, den Gesundheitswesen und Patientenbetreuung in der Gesellschaft innehaben. Als Klinikseelsorgerin und Ethikerin hat sie eine hohe Sensibilität für Benachteiligungen, für Unausgesprochenes, und zu ihrem Repertoire gehört auch das souveräne Wechseln zwischen den unterschiedlichen Perspektiven und Rollen innerhalb des Klinikalltags.

Über die neue Kapelle freut sich Sr. Veronika nun ganz besonders: „Als ich sie zum ersten Mal betreten habe, dachte ich einfach nur: „Schön! Wirklich schön!“ Zu verdanken ist dies dem freischaffenden Künstler Robert M. Weber, der auch die Kapelle im Tutzinger Krankenhaus neugestaltet hat. In Feldafing schuf er mit einer ebenso stimmigen Innenausstattung nun ein wunderbares Ambiente für die Kapellenbesucher und verband dabei gekonnt Altes mit Neuem. Die geschnitzte Marienstatue aus dem Bestand der Missions-Benediktinerinnen fügt sich perfekt in die Wandstruktur aus hölzernen Lamellen ein. Gekrönt wird das Ambiente des Raumes durch ein über 3 Meter hohes Acrylbild: ein Kreuz auf eindrucksvollen Rot-, Gelb- und Orangetönen, die, so Robert M. Weber, auch in ihrer liturgischen Farbwahl „Pfingststimmung“ verbreiten. Die Statue, die Malerei, die Ruhe – dieser Ort lädt Patienten dazu ein, innezuhalten, Kraft zu schöpfen.

Die Kapelle wird von den Menschen in der Klinik aufgesucht, um sich zu sammeln, um beten, eine Kerze anzuzünden oder eine Fürbitte, einen Dank oder Gruß in das bereitliegende Buch einzutragen. Auch die Wort- Gottesfeien in der Kapelle stoßen, so Sr. Veronika, auf großen Zuspruch – und das völlig konfessionsunabhängig. „Dieser Raum ist Zuflucht für alle, gleich welches Glaubens, welcher Herkunft, welcher persönlichen Situation. Hier sind wir eine Gemeinschaft, die Gott in Wort und Sakrament begegnen möchten.“