Neurologie

Sonja Dodel
Chefarztsekretariat
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Schlaganfall - Wie kann ich mich schützen?

Erkrankung

Als Schlaganfall bezeichnet man plötzlich auftretende neurologische Störungen. Ursachen sind in 70–80% ein Hirninfarkt und in 15–20% eine Hirnblutung.

Häufigkeit

In Deutschland erleiden rund 250.000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache. 10% der über 50-Jährigen sterben an den Folgen eines Schlaganfalls.

Folgen

20% der Patienten sterben innerhalb der ersten vier Wochen nach einem Schlaganfall. Von den Überlebenden bleibt ein Drittel pflegebedürftig, ein weiteres Drittel trägt bleibende Behinderungen davon. Ein Drittel der Patienten wird aber auch wieder völlig gesund. Der Erfolg der Behandlung eines Schlaganfalls hängt wesentlich damit zusammen, wie schnell ein Patient behandelt werden kann. Idealerweise sollte die Behandlung auf einer Spezialstation für Schlaganfallpatienten erfolgen.

Ursachen des Schlaganfalls

Hirninfarkt

Hauptursache ist eine Arteriosklerose der großen Gefäße (Makroangiopathie), weitere Ursachen: Erkrankung der kleinen Gefäße (Mikroangiopathie), Embolien, z. B. aus dem Herzen.

Hirnblutung

Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Alkohol, Drogen (Kokain, Ecstasy). Weitere Ursachen: altersbedingte Gefäßveränderungen, Gefäßmissbildungen, Tumoren und Gerinnungsstörungen.

Typische Kennzeichen sind

  • einseitige Lähmung
  • Gefühlsstörungen
  • Sprach- oder Artikulationsstörungen
  • Schwindel
  • Sehstörungen (Doppeltsehen, flüchtige Blindheit auf einem Auge)
  • Gangunsicherheit
  • Bewusstlosigkeit

Meist kein Schlaganfall

  • Gedächtnisstörungen
  • Verwirrtheit

Die Vorboten erkennen!

Auch bei vorübergehenden Erscheinungen dieser Symptome (sogenannte transitorisch ischämische Attacke, TIA) sollte man sofort in die Klinik fahren oder den Notarzt rufen!

Was sollten Sie zu Hause tun?

  • sofort Hilfe holen: Rettungsdienst anrufen
  • Bewusstlose in stabile Seitenlage bringen
  • Informationen bereithalten, wie Medikamente (Medikamentenplan) und Vorerkrankungen
  • Angehörige sollten unbedingt telefonisch erreichbar bleiben, Telefonnummer dem Rettungsdienst mitgeben! Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache. 10% der über 50-Jährigen sterben an den Folgen eines Schlaganfalls.

Behandlung auf einer Schlaganfall-Spezialstation (Stroke Unit)

Was muss eine Stroke Unit leisten?

Sofortige Aufnahme und Behandlung von Schlaganfallpatienten, Durchführung aller Untersuchungen innerhalb von längstens 60 Minuten, Einleitung einer spezifischen Therapie innerhalb von spätestens 4,5 Stunden nach Beginn der Symptomatik.

Was ist dazu notwendig?

Ständige Präsenz eines Neurologen vor Ort, 24-Std-Bereitschaft von u.a. CT und Labor, ein Team mit speziell geschultem Pflegepersonal, Physiotherapeuten und Logopäde(n).

Der Behandlungserfolg

Fünf Jahre nach einem Schlaganfall leben von den auf einer Stroke Unit behandelten Patienten fast doppelt so viele zuhause – verglichen mit denen, die auf einer Normalstation behandelt wurden.

Wie kann man einen Schlaganfall vorbeugen?

Allgemeines zu den Risikofaktoren

  • Man merkt oft nichts davon!
  • Man kann meist etwas dagegen unternehmen!
  • Es ist nie zu spät, etwas dagegen zu unternehmen!

Lernen Sie Ihre Risikofaktoren kennen

  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Alkohol
  • Bewegungsmangel
  • Stress

Ergreifen Sie vorbeugende Maßnahmen

  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • Medikamentöse Behandlung
  • Operative Behandlung
  • Gesunde Ernährung (Obst, Gemüse, Fisch)

Risikofaktoren

Risikofaktor 1: Bluthochdruck

Vielen Patienten ist nicht bewusst, dass sie unter Bluthochdruck leiden. Bluthochdruck ist jedoch ein wesentlicher Risikofaktor für einen Schlaganfall. Darum ist es so wichtig, dass er ausreichend behandelt wird und alle Maßnahmen zur Vorbeugung genutzt werden.

Die 50%-Regel beim Bluthochdruck

Nur 50% der Patienten mit Bluthochdruck wissen, dass sie einen Bluthochdruck haben. Von diesen wird nur die Hälfte auf Bluthochdruck behandelt. Von diesen Patienten sind nur 50% ausreichend behandelt, d. h. 12,5% der Gesamtheit. Das heißt: 87,5% der Hochdruckpatienten nutzen die Möglichkeit zur Vorbeugung eines Schlaganfalls gar nicht oder nicht richtig.

Dem Schlaganfall vorbeugen

Eine Blutdrucksenkung um 20 mm Hg führt zu einer Senkung des Schlaganfallrisikos um 42%. Eine Blutdrucksenkung innerhalb des "Normalbereichs" senkt das Risiko zusätzlich.

Wie sollte man den Blutdruck messen?

  • Ist das Gerät in Ordnung? (prüfen!)
  • Die Messungen zu verschiedenen Zeiten durchführen.
  • Vor der Messung zwei bis drei Minuten ruhig sitzen.
  • Druckmanschette in Herzhöhe anbringen.
  • Die Werte notieren. 

Wo fängt Bluthochdruck an (Hypertonie)?

  systolisch diastolisch
Normaler Blutdruck < 130 < 85
Hochnormaler Blutdruck 130–139 85–89
Leichte Hypertonie 140–159 90–99
Mittelschwere Hypertonie 160–179 100–109
Schwere Hypertonie ≥180 ≥110

 

Risikofaktor 2: Diabetes mellitus

  • Bei Patienten mit Diabetes mellitus ist das Schlaganfallrisiko um das 1,6-fache bis 6-fache erhöht. Besonders gefährlich ist die Kombination von Diabetes und Bluthochdruck.
  • Eine sorgfältige Blutdruckeinstellung ist hier unbedingt notwendig, mit dem Ziel, den diastolischen Duck unter 85 mm Hg zu senken.
  • Zur Auswirkung der Diabetes-Einstellung auf das Schlaganfallrisiko liegen in der Forschung bislang keine Daten vor.

Risikofaktor 3: Rauchen

  • Rauchen steigert den Blutdruck, erhöht die Konzentration des »schlechten« LDL-Cholesterins im Blut und verstärkt die Klebrigkeit der Blutplättchen und erhöht damit das Schlaganfallrisiko.
  • Steigerung des Schlaganfallrisikos um das anderthalb- bis zweifache.

Zwei Jahre nach der letzten Zigarette erreicht man...

  • sein Ausgangsrisiko, wenn man weniger als 20 Zigaretten pro Tag geraucht hat.
  • das doppelte Ausgangsrisiko, wenn man mehr als 20 Zigaretten pro Tag geraucht hat.

Risikofaktor 4: Übergewicht

Übergewicht ist ein wichtiger indirekter Risikofaktor für einen Schlaganfall. Übergewichtige Menschen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, einen Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette zu haben. Bei übergewichtigen Patienten, die zuckerkrank sind, ist der Zucker deutlich schlechter einstellbar.

Fettstoffwechselstörungen

  • »Gutes« (HDL) und »schlechtes« (LDL) Cholesterin: LDL-Cholesterin transportiert Cholesterin in die Zellen, HDL-Cholesterin dient dem Abtransport. Überschüssiges LDL-Cholesterin lagert sich an die Gefäßwände an und schädigt sie.
  • Cholesterin und Schlaganfall: Bei Werten bis 279 mg/dl besteht das 1,8-fache, bei Werten von 280 mg/dl und mehr das 2,6-fache Risiko, an einem Schlaganfall zu sterben. Medikamentöse Senkung des Cholesterinspiegels bringt eine Risikoreduktion um 31%. 8 Risikofaktor 5: Alkohol Wer mehr als 30 g Alkohol pro Tag (entsprechend 1 Liter Bier, 0,4 Liter Wein oder 0,1 Liter Schnaps) zu sich nimmt, hat das... doppelte Risiko eines Bluthochdrucks 2–3-fache Risiko eines Schlaganfalls 3–4-fache Risiko einer Hirnblutung Geringer Alkoholkonsum kann das Schlaganfallrisiko senken. Therapieziele bei der Cholsteri

Therapieziele bei der Cholsterinsenkung:

Sonstige Risikofaktoren LDL (mg/dl) LDL : HDL
Keine < 130 4 : 1
weitere Risikofaktoren vorhanden < 100 3 : 1

 

Risikofaktor 5: Alkohol

Wer mehr als 30 g Alkohol pro Tag (entsprechend 1 Liter Bier, 0,4 Liter Wein oder 0,1 Liter Schnaps) zu sich nimmt, hat das...

  • doppelte Risiko eines Bluthochdrucks
  • 2 - 3-fache Risiko eines Schlaganfalls
  • 3 - 4-fache Risiko einer Hirnblutung Geringer Alkoholkonsum kann das Schlaganfallrisiko senken.

Vorbeugende Maßnahmen

Sport

Sport erhöht den Blutdruck vorübergehend, führt aber nach Ende der Aktivität zu einer lang anhaltenden Blutdrucksenkung. Eine Senkung des Schlaganfallrisikos ist nachgewiesen für Personen, die mindestens zweimal pro Woche 30 Minuten Sport treiben. Ältere Menschen und solche mit Gefäßrisikofaktoren sollten vorher ihren Hausarzt fragen, er wird evtl. die Belastbarkeit überprüfen (Belastungs-EKG).

Geeignete Sportarten: Ausdauersport, Schwimmen, Ski-Langlauf

Weniger geeignet: Abfahrtski, Tennis, Wettkämpfe generell

Ungeeignet: Kraftsport

Medikamentöse Behandlung

Blutdrucksenker

  • Reduzieren das Schlaganfallrisiko durch bessere Blutdruckwerte.

Statine

(z. B. Simvastatin oder Atorvastatin)

  • Senken den Cholesterinspiegel
  • Reduzieren das Risiko eines neuen Hirninfarktes auch bei normalen oder nur leicht erhöhten Cholesterinwerten und senken damit das Schlaganfallrisiko.

Thrombozytenaggregationshemmer

  • Vermindern die »Klebrigkeit« der Blutplättchen und damit die Gefahr eines Hirninfarkts
  • Die vorbeugende Wirkung ist jedoch
    - nur für Patienten nach einem Schlaganfall
    - und nur bei bestimmten Schlaganfalltypen erwiesen
  • Wirkstoffe:
    - ASS = Acetylsalicylsäure (Aspirin) 100 mg/Tag, Problem: Magenunverträglichkeit
    - Clopidogrel (Iscover, Plavix): stärker wirksam als ASS, etwas magenfreundlicher, weniger Nebenwirkungen, aber teuer.

Orale Antikoagulantien

Orale Antikoagulantien hemmen die Blutgerinnung und vermindern das Schlaganfallrisiko. Neben dem bekannten Marcumar gibt es neue Medikamente, die sogenannten NOAKs (Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban). Wesentlicher Vorteil der NOAK ist ein im Vergleich zu Marcumar deutlich geringers Blutungsrisiko, insbesondere für Hirnblutungen.

Diese Substanzen werden insbesondere dann eingesetzt, wenn der Schlaganfall durch eine Herzrhythmusstörung (Vorhofflimmern) verursacht ist, da sie in diesem Fall viel besser als ASS wirken.

Operative Behandlung

Operation von Einengungen der Halsschlagader (Gefäßchirurgie)

Die Einengung der Halsschlagader (Carotisstenose) bringt ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko mit sich. Eine Operation ist meist sinnvoll bei einer Einengung über 70%, die sich bereits durch einen Schlaganfall oder eine flüchtige Durchblutungsstörung bemerkbar gemacht hat (»symptomatische Carotisstenose«).

Operation bei "stummer" (asymptomatischer) Verengung der Halsschlagader

  • Operationen werden nur in Zentren mit sehr niedriger Komplikationsrate durchgeführt.
  • 100 Patienten müssen operiert werden, um 1 Schlaganfall zu verhüten.
  • Der Nutzen ist nur bei Männern erwiesen.
  • Pragmatischer Standpunkt: Operation bei
    - rasch zunehmenden Verengungen oder
    - Verschluss der Gegenseite der Halsschlagader und
    - sonst ziemlich gesunden und operationswilligen Patienten
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