Benedictus Krankenhaus Feldafing
Akademisches Lehrkrankenhaus der Technischen Universität München (TUM)

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Wenn Essen nicht mehr selbstverständlich ist

Ernährung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen/CED

Zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen werden in erster Linie der M. Crohn und die Colitis ulcerosa gezählt. Häufig treten diese Erkrankungen im jüngeren Erwachsenenalter auf. Grundsätzlich kann jedoch jeder erkranken, auch Kleinkinder und ältere Menschen. Typische Beschwerden sind vor allem Durchfälle, Bauchschmerzen, Fieber und Gewichtsverlust. Zu den Komplikationen der Erkrankungen gehören Stenosen (Darmverengungen) und Fisteln (entzündliche Gangbildungen).

Die Krankheiten M. Crohn und Colitis ulcerosa verlaufen typischerweise in Schüben, denen symptomfreie Phasen (Remission) folgen. Bei vielen Betroffenen wechseln sich Schübe mit langen Remissionsphasen ab, bei anderen tritt die Erkrankung leider heftiger und mit häufigeren Entzündungsschüben auf. Es gibt keine spezielle Ernährung bei CED aber ein paar Empfehlungen kann man dennoch geben. Vor allem bei akuten Schüben und Komplikationen wie Fisteln, Stenosen, toxischem Megacolon oder nach operativen Eingriffen wie Pouch oder Stoma kommt der Ernährungsberatung eine wichtige Stellung zu. Dazu können auch spezielle Ernährungsinterventionen wie z. B. die künstliche Ernährung mit Trinknahrung oder die parenterale Ernährung über die Blutbahn gehören. Oft ist ein Kostaufbau erforderlich.

Als Ursache der steigenden Anzahl von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen werden die geänderten Lebens- und Ernährungsweisen in den modernen Industriestaaten diskutiert. Ein zwingender Beweis für eine mögliche Rolle von Ernährungsfaktoren bei der Entstehung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa konnte bisher allerdings nicht erbracht werden.

Ziel der Ernährungstherapie:

  • den gewünschten Ernährungszustand zu halten oder zu erreichen (ggf. Mangelernährung beheben, bei Übergewicht langsame Gewichtsreduktion)
  • vermeiden von Beschwerden (individuelle Unverträglichkeiten, Blähungen, Völlegefühl usw.)
  • Verlängerung der Remission und Verkürzung der akuten Schüben

Ernährung in der Remissionsphase

In der Remissionsphase ist eine ausgewogene Ernährung empfehlenswert. Wenn es zu Problemen in der Fettverdauung kommt, sollten sogenannte MCT-Fette bevorzugt werden (Milchfette), dies ist aber individuell. Bei den Milchprodukten sind naturbelassene Produkte wie Naturjoghurt und Kefir zu bevorzugen und gerne täglich einzubauen. Es ist auf eine ballaststoffreiche Kost zu achten (Vorsicht bei Stenosen, hier ballaststoffarm). Besonders lösliche Ballaststoffe sind im Alltag empfehlenswert (Apfel, Beerenfrüchte, Banane, Aprikosen, Kartoffeln, Reis). Wichtig ist es hier ausreichend zu trinken. Da es auch in der Remissionsphase zu vermehrten Stuhlgängen kommen kann ist es wichtig ausreichend zu trinken und Elektrolyte aufzufüllen, hier können auch gerne Brühen und Fruchtsaftschorlen getrunken werden.

Leichte Vollkost

Die Verträglichkeit von Lebensmitteln ist individuell sehr unterschiedlich und so gibt es nur allgemeine, auf  Erfahrungen beruhende Verträglichkeitsempfehlungen. Die leichte Vollkost gibt vor, welche Lebensmittel nicht in den Speiseplan eingebaut werden sollten, um Blähungen, Völlegefühl und/oder einer zu schnellen oder zu langsamen Darmpassage vorzubeugen.

Lebensmittel, die häufig nicht vertragen werden können:

  • Hülsenfrüchte +
  • Gurken mit Schale
  • frittierte Speisen
  • Weißkohl
  • kohlensäurehaltige Getränke
  • Grünkohl
  • fette Speisen
  • Paprikagemüse
  • Sauerkraut
  • Rotkraut
  • Backwaren, die besonders fett und/oder süß sind
  • Zwiebel
  • Wirsing
  • hartgekochte Eier
  • sehr frisches Brot
  • Kaffee
  • Kohlsalat
  • Mayonnaise
  • Kartoffelsalat
  • geräucherte Lebensmittel
  • Eisbein
  • sehr stark gewürzte Lebensmittel
  • sehr heiße oder kalte Speisen
  • Süßigkeiten
  • Weißwein
  • rohes Stein- oder Kernobst
  • Nüsse
  • Sahne
  • Gebratenes oder Paniertes
  • Pilze
  • Rotwein
  • Lauch
  • Spirituosen
  • Birne

Wenn die Lebensmittel vertragen werden, spricht nichts dagegen, sie einzusetzen. Wichtig ist, die Speisen gut zu kauen und viel zu trinken. Nur so können Verstopfungen und Blähungen vermieden und der Darm geschont werden.

Faserarme Kost

Faserige und körnige Lebensmittel können sich an Engstellen im Darm festsetzen, da diese Nahrungsgüter nicht ausreichend zerkleinert werden können. Bei diesen Lebensmitteln kann es zu einer zu schnellen oder zu langsamen Darmpassage kommen. Gutes Kauen ist hier wichtig, wenn die Lebensmittel gegessen werden. Wenn die Lebensmittel vertragen werden, können sie auch gegessen werden.

Allgemeine Empfehlungen

  • essen Sie mehrere kleine Mahlzeiten
  • in Ruhe und langsam essen
  • sehr, sehr gut kauen, bis ein sehr feiner Brei im Mund entsteht (ca. 30 mal kauen)
  • keine scharfen Gewürze
  • essen Sie, was vertragen wird
  • fette Speisen vermeiden, hier kann es zu einer zu schnellen Darmpassage kommen

Symptombezogene Maßnahmen

„stopfende“ Kost bei Durchfall

  • Obst und Gemüse: gestampfte Banane, geriebener Apfel ohne Schale, Karotten ohne Schale
  • Getreideprodukte und Kartoffeln: Weißbrot, Grahambrot, Dinkelbrot (fein ausgemahlen), Trocken- gebäck, Zwieback, geschälter Reis, Teigwaren, Hafer- flocken, Grieß, Kartoffeln
  • Getränke: lang gezogener schwarzer Tee und grüner Tee
  • Bitterschokolade, Kakaopulver
  • keine Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr

„stuhlgangsfördernde“ (ballaststoffreiche) Kost bei Verstopfung

  • Obst und Gemüse: Pflaumensaft, Salate, gegartes Gemüse, Sauerkrautsaft
  • Getreideprodukte: fein ausgemahlene Vollkornprodukte
  • Getränke: Flüssigkeitsmenge steigern
  • Joghurt, Kefir, Dickmilch und Quark sind empfeh- lenswert
  • Meiden von scharf gebratenen und scharf gewürzten Speisen
  • 1-2 EL Olivenöl oder anderes Öl in Speisen einbauen Bewegung in den Alltag einbauen
  • Vermeiden „stopfender“ Lebensmittel

Blähungen/Völlegefühl

  • Vermeiden von blähenden Lebensmitteln
  • kein Bonbonlutschen oder Kaugummikauen
  • blähungshemmend: Kümmel(tee), Fenchel(tee), Anis(tee), Joghurt

Verstärkte Geruchsbildung (wichtig bei Stomaträgern)

  • Einschränken der stärker geruchsbildenden Nahrungsmittel
  • Gemüse: Knoblauch, Zwiebel, Kohlgemüse, Bohnen, Spargel, Pilze
  • rierische Produkte: hartgekochte Eier, vollreifer Käse, Fleisch, Fisch
  • acharfe Gewürze
  • Geruchshemmend können Blattsalat, Spinat, Petersilie, der Saft von Heidelbeeren und Preiselbeeren, Sauermilchprodukte und Milchzucker wirken

Ernährung bei Stenosen und Verwachsungen

Bei Stenosen und Verwachsungen können sich folgende Ernährungstipps positiv auf die Verdauung auswirken: Ballaststoffarme Kost!

Bei Stenosen wird grundsätzlich eine ballaststoffarme Kost in mehreren kleinen Mahlzeiten über den Tag verteilt empfohlen. Ballaststoffe sind unverdauliche Kohlenhydrate, wie z. B. Naturreis. Ballaststoffe sorgen im Verdauungsprozess für eine stärkere Darmbewegung und -dehnung, was beim Vorliegen von Engstellen im Darm zu Schmerzen führen kann. Dies gilt auch für die akute Divertikulitis Besonders Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und rohes Gemüse sollten jetzt vermieden werden.

Ordentlich kauen, gut verdauen! Ein wichtiger Schritt der Verdauung startet bereits im Mund. Wenn die Mahlzeiten gut gekaut bzw. fein zermahlen werden, wird schon im Mund ein wesentlicher Beitrag für den gesamten Verdauungsprozess geleistet. Faserige und körnige Lebensmittel sind möglichst zu meiden, da diese Lebensmittel sich leicht an Stenosen oder Verklebungen festsetzen können.

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