Schmerzmedizin

Unser Schmerzzentrum ist eine der größten europäischen Spezialeinrichtungen für die multimodale Therapie chronischer Schmerzen. Wir behandeln alle Arten von Schmerzen, z.B. Rückenschmerz, Nervenschmerz (zertifiziertes QST-Labor), Kopfschmerz und Fibromyalgie.

Der Bereich umfasst neueste Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten auf medizinisch und wissenschaftlich höchstem Niveau sowie alle in der modernen Schmerztherapie erprobten Therapieverfahren.

Seit 2013 ist das QST-Labor am Zentrum für Schmerztherapie durch die Gesellschaft für Qualifizierte Schmerztherapie Certkom gemäß den Vorgaben des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz als eines der wenigen Zentren in Deutschland zertifiziert.

Wir sehen es als unsere Aufgabe an, all den Patienten zu helfen, deren Schmerzen trotz Therapie der Grunderkrankung weiterhin bestehen. Letztendlich behandeln wir fast jede chronische Schmerzerkrankung im Erwachsenen- und Kindesalter.

Dem großen interdisziplinären Team des "Schmerzzentrums Starnberger See" gehören neben Ärzten verschiedener Fachrichtungen wie z. B. für Anästhesiologie, Innere Medizin und der Allgemeinmedizin auch Psychologen, Physiotherapeuten, Sporttherapeuten sowie speziell geschulte Pflegekräfte an. Die fortlaufende wissenschaftliche Aktivität des Chefarztes Prof. Dr. Rainer Freynhagen (D.E.A.A.) und seines Teams spiegelt sich in zahlreichen Publikationen, Buchbeiträgen, Lehrveranstaltungen und internationalen Vorträgen wider.

Weitere Informationen und Angaben zur Kontaktaufnahme

Wir bieten die Möglichkeit einer stationären oder ambulanten Behandlung sowie die Behandlung in unserer Tagesklinik (alle Kassen). In den letzten Jahren hat sich als ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Tätigkeit die Diagnostik und Therapie folgender Schmerzerkrankungen etabliert:

Rückenschmerzen

Rückenschmerzen

Rückenschmerzen nehmen einen Spitzenplatz bei den Krankheitsfehltagen und bei Gründen der Erwerbsunfähigkeit ein. Sie gehören mit zu den häufigsten Behandlungsanlässen in der medizinischen Versorgung. Etwa 70 Prozent der Bevölkerung leiden jährlich mindestens einmal unter Rückenschmerzen, bei bis zu sieben Prozent entwickelt sich ein chronisches Leiden.

Ursachen von Rückenschmerzen

Rückenschmerzen können vielfältige Ursachen haben, wie zum Beispiel Muskelverspannungen, Entzündungen, Arthrose, wachstumsbedingte Verkrümmungen oder Verletzungen der Wirbelsäule. Aber auch psychischer Stress kann zu ähnlichen Beschwerden und Rückenschmerzen führen. Dies erfordert meist eine interdisziplinäre Behandlung der Rückenschmerzen durch Schmerzspezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen, Physio- und Sporttherapeuten im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie.

Therapie der Rückenschmerzen am Benedictus Krankenhaus Feldafing

Nach und nach setzt sich in Deutschland ein Paradigmenwechsel in der Behandlung von Rückenschmerzen durch. Die Bedeutung frühzeitiger Aktivität, um eine Chronifizierung zu verhindern, wird ebenso betont wie die rechtzeitige Erkennung psychosozialer Belastungsfaktoren. In die Diagnostik und Behandlung von Rückenschmerzen sind im Zentrum für Schmerztherapie am Starnberger See deshalb Experten verschiedener Disziplinen integriert: nicht nur Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen, sondern auch Psychotherapeuten, Physiotherapeuten und Sporttherapeuten. Rückenschmerzen sind ein sehr komplexes Erkrankungsbild. So vielfältig die Ursachen des Rückenschmerzes sein können, so individuell muss auch die Therapie erfolgen, abgestimmt auf jeden einzelnen Patienten.

Therapieverfahren im Zentrum für Schmerztherapie

Der Behandlungsansatz in unserem Zentrum zeichnet sich durch dieses interdisziplinäre Zusammenarbeiten und den Einsatz modernster Methoden aus. Es werden zum Beispiel minimalinvasive Therapieverfahren eingesetzt, um dem Rückenschmerz „zu Leibe zu rücken“. Der Chefarzt des Zentrums für Schmerztherapie, Prof. Dr. med. habil Rainer Freynhagen (D.E.A.A.), beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesem Thema auch wissenschaftlich und wurde 2007 für seine Arbeiten zum Rückenschmerz mit dem renommierten Deutschen Schmerzpreis ausgezeichnet.

Durch die zusätzliche Etablierung der Wirbelsäulenchirurgie am Benedictus Krankenhaus im benachbarten Tutzing ergeben sich fast einzigartige Möglichkeiten für eine umfassende Versorgung von Patienten mit Rückenschmerzen im Sinne eines wirklich interdisziplinären Rückenschmerzzentrums. Hauptziel der Behandlung muss zunächst sein, eine Operation zu vermeiden, die Rückenschmerzen zu beseitigen und ein chronisches Leiden zu verhindern. Jeder Patient erhält eine individuelle Therapie, die auf seine persönlichen Gegebenheiten zugeschnitten ist.

Nervenschmerzen jeder Art (neuropathische Schmerzen)

Nervenschmerzen jeder Art (neuropathische Schmerzen)

Nervenschmerzen sind in Deutschland für schätzungsweise über vier Millionen Patienten ein schwerwiegendes Problem. Sie kommen bei einer Vielzahl von Erkrankungen vor, werden aber leider noch immer sehr oft verkannt.

Dabei können neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen) viele Ursachen haben, beispielsweise:

  • Gesichts-/Gürtelrose
  • Diabetes mellitus
  • Post-Zoster-Neuralgie
  • Phantom-, Stumpf- und Deafferenzierungsschmerz
  • Polyneuropathien
  • Trigeminusneuralgie
  • Interkostalneuralgie
  • Komplexes Regionales Schmerzsyndron, kurz CRPS (früher M. Sudeck, SRD, Algodystrophie)
  • Zentrale Schmerzen bei Querschnittssyndromen
  • sowie vor allem auch Rückenschmerzen


Diese Nervenschmerzen können kurz oder lang anhalten. Neben der medizinischen, medikamentösen Behandlung von Nervenschmerzen sind ein aktiver Lebensstil und gezielte Entspannung wichtige Komponenten, um Nervenschmerzen entgegenzuwirken. Inaktivität fördert die Verkrampfung der Muskulatur und wirkt schmerzverstärkend. Darum werden im Rahmen einer Schmerztherapie in unserem Zentrum auch ganz bestimmte Entspannungstechniken erlernt. 

Wie kann man Nervenschmerzen entgegenwirken?

Das Behandlungsprogramm gegen Nervenschmerzen umfasst die medikamentöse Therapie, interventionelle Therapieverfahren bis hin zur Neuromodulation, Entspannungsverfahren, Physiotherapie, orthopädische Unterstützungsmaßnahmen und professionelle psychologische Unterstützung. Durch die Auswahl geeigneter Maßnahmen soll erreicht werden, dass der Betroffene dauerhaft weniger oder im Idealfall keine Nervenschmerzen hat.

Der Chefarzt des Zentrums für Schmerztherapie des Benedictus Krankenhauses, Herr Prof. Dr. med. habil. Rainer Freynhagen, ist ausgewiesener Spezialist auf dem Gebiet der Nervenschmerzen. So hat er sich u. a. zu diesem Thema habilitiert, zahlreiche Publikationen in national und international renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht und ein eigenes Buch zum Thema Nervenschmerzen verfasst. Darüber hinaus referiert er dazu regelmäßig auf großen Kongressen weltweit.

Kopfschmerzen

Kopfschmerzen

Es gibt mehr als 200 verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Darum ist es oft nicht leicht, die Ursache herauszufinden.

Vier Formen kommen besonders häufig vor:

  • Migräne
  • Chronischer Spannungskopfschmerz
  • Cluster-Kopfschmerzen
  • Der durch Schmerzmittel ausgelöste Kopfschmerz

Doch nicht nur bei Erwachsenen, auch bei Kindern kommen Kopfschmerzen häufig vor. Bis zu 80 % aller Kinder im 4. Grundschuljahr klagen über Kopfschmerzen. Davon leiden etwa 12 % unter Migräne. Unter den Teenagern leiden in Deutschland mehr als ein Drittel unter wiederkehrenden Kopfschmerzen. Im Zentrum für Schmerztherapie des Benedictus Krankenhauses in Tutzing verfügen wir über eine langjährige Erfahrung mit diesen Krankheitsbildern.

Hintergrund Spannungskopfschmerzen

Kopfschmerz vom Spannungstyp ist leider eine sehr häufige Erkrankung. Viele Menschen leiden unterschiedlich stark darunter. Das typische Schmerzbild zeigt sich in der Regel meist beidseitig, dumpf- drückend, beengend, wie ein Ring, ein Helm oder eine zu enge Mütze. Die Schmerzen erreichen eine leichte bis mittlere Intensität und verstärken sich nicht wesentlich durch körperliche Routineaktivitäten.Es gibt typische Begleiterscheinungen wie Appetitlosigkeit, Licht-/ Lärmempfindlichkeit sowie manchmal eine erhöhte Druckempfindlichkeit der Kopf- und Halsmuskulatur. Man teilt sie gemäß der der IHS-Klassifikation (International Headache Society) je nach Häufigkeit in:

  • sporadisch auftretende episodische Spannungskopfschmerzen,
  • häufig auftretende episodische Spannungskopfschmerzen und
  • chronische Spannungskopfschmerzen

ein. Die beiden erstgenannten zeigen dabei klinisch Kopfschmerzepisoden mit einer Dauer von Minuten bis Tagen. Der chronische Spannungskopfschmerz entspricht in seinen Charakteristika dem episodischen Spannungskopfschmerz, mit Ausnahme des Auftretens an mehr als 15 Tagen im Monat über mindestens 3 Monate (mindestens 180 Tage pro Jahr). Der Krankheitsbeginn fällt häufig in die 2. oder 3. Lebensdekade, aber auch Kinder oder ältere Menschen können betroffen sein.

Ursache und Therapie

Die genaue Ursache dieses Kopfschmerztyps ist noch nicht bekannt. Es wird eine erhöhte Schmerzbereitschaft des Patienten in Zusammenhang mit einer auslösenden Ursache wie z.B. Stress, Angst, Depressionen oder aber auch einer Körperfehlhaltung angenommen. Man kann oft schon eine Erleichterung der Kopfschmerzen erreichen, in dem man die Schläfen und Stirn mit Pfefferminzöl einreibt. Wenn das keine zufriedenstellende Linderung ergibt helfen meist einfache Schmerzmittel, z.B. Paracetamol oder Antiphlogistika (z.B. Ibuprofen). Manchen Patienten mit Spannungskopfschmerzen kann man auch sehr gut mit bestimmten Antidepressiva helfen, die bei dieser Erkrankung vor allem als Schmerzmittel wirken. Eine wichtige Regel darf man aber nicht außer Acht lassen und die lautet:
Keine regelmäßige Schmerzmitteleinnahme, außer jenen Substanzen, die der Arzt über einen längeren Zeitraum, z.B. als vorbeugende (prophylaktische) Mittel, verordnet. Viel wichtiger als Medikamente ist meist eine Gestaltung des Tagesablaufs mit regelmäßigen Ruhe- und Aktivitätsphasen. Hilfreich ist auch die Anwendung von Entspannungstherapien und Stressbewältigungsstrategien sowie ein leichtes regelmäßiges Ausdauertraining und regelmäßige (Kranken)Gymnastik. Oft hilft auch schon leichte körperliche Bewegung an der frischen Luft wie ein ausgedehnter Spaziergang.

Letztendlich bilden viele verschiedene Bausteine das Behandlungsgerüst gegen Spannungskopfschmerzen. Auf jeden Fall gehört die Diagnostik und Therapie in die Hände von Experten.

Fibromyalgiesyndrom

Fibromyalgiesyndrom

Das Fibromyalgiesyndrom (FMS) wird in der Medizin leider immer noch viel zu häufig gegensätzlich diskutiert. "Eingebildete Kranke, Erfindung der Pharmaindustrie, psychisch auffällig oder Rentenjäger" sind nur einige Aussagen, mit denen Betroffene immer wieder konfrontiert werden - und das, obwohl die Erkrankung für die Patienten ohnehin schon Leid genug bedeutet. Die Krankengeschichten und die damit vielfach verbundenen Ablehnungen und Kränkungen ziehen sich oft über Jahre und Jahrzehnte hinweg.

Die Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms erfolgt derzeit ausschließlich nach symptombasierten Kriterien (chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, oft Muskelschmerzen, Steifigkeits- und Schwellungsgefühl der Hände, Füße und des Gesichts sowie Müdigkeit und Schlafstörungen). In westlichen Industrienationen beträgt die Krankheitshäufigkeit des FMS bei Erwachsenen in der allgemeinen Bevölkerung 1-2(-5)%. Bei Frauen zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr wird sogar eine Häufigkeit von 5-7% geschätzt. Das Verhältnis von Frauen zu Männern beträgt 4-6:1. Auch Kinder sind schon oft sehr früh betroffen. Wie bei den Erwachsenen dominieren bei ihnen neben der Schmerzsymptomatik in Muskeln, Sehnen, Faszien und Bändern ebenfalls die vegetativen Symptome wie Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Erschöpfbarkeit sowie Beschwerden im Magen-Darm-Trakt.

Patienten mit FMS sind sehr heterogen. Das Kardinalsymptom des Fibromyalgiesyndroms sind chronische multilokuläre Schmerzzustände. Die Patienten können die Gelenk-, gelenknahen und Muskelschmerzen oft nicht sicher zuordnen. FMS-Patienten präsentieren sich mit einer Vielzahl unterschiedlicher sensorischer Auffälligkeiten, Schmerzqualitäten und begleitenden Komorbiditäten. Eine aktuelle Untersuchung unserer Arbeitsgruppe an über 3000 Patienten konnte zeigen, dass klinisch relevant vor allem Druckschmerzhaftigkeit der Muskulatur und des Weichteilgewebes (58%), schmerzhaftes Kribbeln und Prickeln (33%), Brennschmerz (30%) und eine thermische Überempfindlichkeit (26%) sind. Mäßig bis schwer ausgeprägte Begleiterkrankungen treten häufig zum FMS hinzu; so fanden wir in 66% der Fälle eine Depression und bei jedem zweiten Patienten ausgeprägte Schlafstörungen (Rheumatology, Rehm et al., 2010, in press) vor. Das Fibromyalgiesyndrom tritt überzufällig häufig Hand in Hand entzündlich-rheumatischen Erkrankungen auf. Das kann Diagnose und Therapie erschweren.

Verschiedene pathophysiologische Veränderungen sind fraglich mit dem FMS assoziiert, ohne dass aber die Ursache-Wirkungs-Relation tatsächlich geklärt ist. Dazu gehören Störungen der zentralen Schmerzverarbeitung, eine Hyporeaktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse, eine Störung des Wachstumshormon-Systems, erhöhte systemische pro-inflammatorische und verminderte anti-inflammatorische systemische Zytokinprofile und Veränderungen des dopaminergen und serotonergen Systems. Keine Veränderung konnte bis dato als kausal belegt werden.

Auch therapeutisch ist das FMS eine Herausforderung, da es weder die "Wunderpille" noch eine durchschlagende konservative Therapie gibt. FMS-Patienten haben oftmals ganz anders geartete Bedürfnisse und  Ressourcen und sind nicht so einfach vergleichbar mit anderen chronischen Schmerzpatienten. Daher ist eine vielversprechende Therapie eine solche, die auf eine ausgewogene Mischung aus wenigen wirksamen Medikamenten sowie aktiven und passiven Behandlungsansätzen im interdisziplinären Team setzt. Dies tun wir in Tutzing in sicher einzigartiger Weise in speziellen Fibromyalgiegruppen.

Unsere Behandlungsansätze

  • Ambulante Schmerztherapie

    Bei bestimmten Indikationen besteht die Möglichkeit der ambulanten Therapie. Nach Terminabsprache kommen Sie nur für den Zeitraum der Behandlung in unsere Tagesklinik. Dies ist bei einer Vielzahl unserer invasiven Verfahren möglich. Hierzu steht auch ein Überwachungsraum mit modernsten Monitoringverfahren zur Verfügung.
  • Teilstationäre Schmerztherapie (Tagesklinik)

    Sie verlassen täglich nach der Behandlung die Klinik und verbringen die Nacht zu Hause oder in unserem preiswerten Gästehaus. Die Behandlung erfolgt entweder werktäglich in einzelnen ganztägigen Terminen oder aber mit festen Behandlungsprogrammen in der Gruppe. Angeboten werden interventionelle Verfahren der Schmerzdiagnostik und -therapie sowie mehrwöchige Behandlungsprogramme nach dem multimodalen Konzept.
  • Vollstationäre Schmerztherapie

    Wir verfügen über eine moderne Schmerzstation mit 42 vollstationären Betten. Der stationäre Aufenthalt kann z.B. in akut verschlimmerten Schmerzphasen nötig werden, die nicht ambulant oder teilstationär beherrscht werden können. Zudem ist hier eine multidisziplinäre Diagnostik möglich, um gegebenenfalls interventionelle oder multimodale Maßnahmen einzuleiten. Mehr Information.

Therapiemethoden

Medikamentöse Schmerztherapie

Medikamentöse Schmerztherapie

Die von uns verwendeten Medikamente sind meist gut verträglich und werden individuell dosiert und auf ihre Wirkung und Verträglichkeit geprüft. Jede Behandlung wird dem Patienten vorher ausführlich erläutert. „Viel hilft viel“ ist nicht unser Ansatz, eher „weniger ist mehr“.

Abhängigkeitsrisiko

Oftmals ist auch der Einsatz sehr starker Schmerzmedikamente erforderlich, sogenannter Opioide (Morphin etc.). Bei korrekter ärztlich überwachter Einnahme haben sich Sorgen vor Abhängigkeit als relativ unbegründet erwiesen. Es gibt Abhängigkeitsstudien an über 45.000 Schmerzpatienten, die morphinartige Schmerzmittel erhielten. Nur bei elf Patienten ließen sich Symptome der psychischen Abhängigkeit nachweisen. Das sind gerade einmal 0,02%. Damit waren unter diesen Patienten weniger Abhängige zu finden als in der Gesamtbevölkerung, in der der Anteil mit 0,2% statistisch zehnmal so hoch liegt.

Es gilt heute als gesichert, dass eine sachgerechte Schmerztherapie mit Opioiden keinen Einstieg in die Drogenszene bedeutet und die Entwicklung einer Abhängigkeit von solchen Medikamenten bei chronischen Schmerzpatienten unwahrscheinlich ist. Klar muss aber sein, dass sich auch durch diese Substanzen (wie durch alle anderen Medikamente auch) eine Abhängigkeit einstellen kann, wenn auch sehr selten.

Interventionelle Schmerzdiagnostik und Schmerztherapie

INTERVENTIONELLE SCHMERZTHERAPIE

Es existieren natürlich auch Erkrankungen, bei denen Medikamente allein nicht hilfreich sein können. Dafür bietet die moderne Schmerztherapie diverse Methoden.

Zu den typischen interventionellen Therapieverfahren zählen zum Beispiel: Nerven- bzw. Sympathikusblockaden

  •  Ganglionäre lokale Opioidanalgesie (GLOA)
  •  Rückenmarksnahe Schmerztherapieverfahren (Epidural-/Spinalanästhesie)
  •  Kontinuierliche Katheterverfahren
  •  Versorgung mit Schmerzpumpen (tragbar oder implantiert)

Das Zentrum für Schmerztherapie am Starnberger See ist seit über einem Jahrzehnt auf diese Therapieverfahren spezialisiert. Wir wenden hier den höchstmöglichen Qualitätsstandard an (Qualitätsstandard nach der International Spine Intervention Society (ISIS)).

Voraussetzung für den Einsatz invasiver Therapieverfahren ist die sorgfältige Anamnese mit exakter körperlicher Befunderhebung und ein genaues Studium der Vorbefunde. Unser Zentrum ist dafür mit modernster medizinischer Technik ausgestattet. Bei chronischen Schmerzen ist nicht immer primär eine eindeutige Ursache der Schmerzen feststellbar. Zur Differentialdiagnose verschiedener Schmerzzustände werden diagnostische Betäubungen von Nerven mit Lokalanästhetika durchgeführt. Mit Hilfe dieser Nervenblockaden können möglicherweise Aussagen über die Schmerzursache oder den Ort der Entstehung erhalten werden.

Als spezielle Verfahren stehen diagnostische und therapeutische Injektionen an Nerven und Nervengeflechten, an den sympathischen Grenzsträngen, in Gelenken wie den Wirbelkörpergelenken oder dem Kreuz-Darmbein-Gelenk oder an den Bandscheiben zur Verfügung.

Hitzebehandlung der Wirbelgelenke
Degenerative Veränderungen der kleinen Zwischenwirbelgelenke können in dem betroffenen Bewegungssegment bei Bewegungen oder Lageänderungen Schmerzen verursachen. Die thermische Ausschaltung kann die Schmerzen in den betroffenen Segmenten lindern. Der entsprechende Nerv wird unter Röntgenkontrolle angezielt, durch eine Probestimulation lokalisiert und mit einer Temperatur von 80°C hitzebehandelt. Dies ist nicht schmerzhaft und in der Regel sehr hilfreich.

Epidurale Kortisonbehandlung
Ein akuter oder chronischer Bandscheibenvorfall erfordert in einigen Fällen den gezielten Einsatz von kleineren Mengen Kortison im Wirbelkanal. Dies erfordert in einigen Fällen den Einsatz eines speziellen Katheterverfahrens. Meistens erfolgt jedoch eine gezielte einmalige Injektion.

Elektrische Rückenmarkstimulation (SCS)

Multimodale Schmerztherapie - der Goldstandard

Multimodale Schmerztherapie - der Goldstandard

Schmerzen sind ein sehr komplexes Phänomen. Sie umfassen Komponenten wie das Erleben und Empfinden des Schmerzes, die Psyche des Patienten, das Verspannen von Muskulatur durch den Schmerz und andere Komponenten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dem Schmerz mit unterschiedlichen Methoden oder Modulen entgegenzuwirken. Die multimodale Schmerztherapie geht auf diese Komponenten ein.

Was bedeutet multimodal?

Unter einer multimodalen Schmerztherapie versteht man die gleichzeitige, inhaltlich eng aufeinander abgestimmte Behandlung durch unterschiedliche therapeutische Disziplinen: Das behandelnde Team besteht aus Ärzten, Psychologen/Psychotherapeuten, Physiotherapeuten und Ko-Therapeuten.

Damit versucht dieser Therapieansatz, sämtliche Facetten der Schmerzentstehung und seiner Symptome zu behandeln. Zugrunde liegt das Bio-Psycho-Soziale Modell des Schmerzes.

Dieses Therapiemodell wurde zur Stabilisierung des Behandlungserfolges speziell bei Patienten mit chronischen Schmerzen entwickelt. Es werden Strategien der Schmerzbewältigung vermittelt, um Lebensqualität und Aktivität zu verbessern. Wichtig für berufstätige Patienten ist die Erhaltung oder Wiedergewinnung der Arbeitsfähigkeit. Multimodale Programme erfordern eine aktive Mitarbeit und eine hohe Motivation des Patienten. Sie gelten heute als Goldstandard in der Therapie chronischer Schmerzen.

Inhalte einer mehrwöchigen multimodalen Behandlung (2-6 Wochen) sind u. a.:
 
Medizinische Behandlung:

  •     Fortführen und Überwachen einer bestehenden medikamentösen Therapie
  •     Information zu medizinischen Themen der Schmerzdiagnostik und -therapie (Entstehung von chronischem Schmerz, Wirkweise von Medikamenten, Funktionsweise der Wirbelsäule)
  •     Vermeidung von invasiven oder operativen Verfahren während des Programms

Körperorientierte Behandlung:

  •     Wahrnehmungsschulung
  •     Körperliche Aktivierung
  •     Atemtherapie
  •     Krankengymnastik und Physiotherapie mit Selbstanleitung
  •     Medizinische Trainingstherapie einzeln und in der Gruppe (Ausdauer-, Kraft- und Beweglichkeitstraining, Gerätetraining)
  •     Ergotherapie
  •     Arbeitserprobung
  •     Kunsttherapie

Psychologische Behandlung:

  •     Veränderung schmerzfördernder Bedingungen
  •     Informationsgruppen rund um den chronischen Schmerz
  •     Stressbewältigungstraining
  •     Biofeedback
  •     Erlernen von Entspannungsverfahren
  •     Training sozialer Kompetenz
  •     Erlernen neuer Schmerzbewältigungsstrategien (Aufmerksamkeitsfokussierung, Imagination, Selbstinstruktion)


Soziale Maßnahmen:

  • Renten- und Sozialberatung 

Blockprogramme für bestimmte Patientengruppen (zum Beispiel beim Fibromyalgiesyndrom):
 
Wir bieten fest strukturierte Blockprogramme für geschlossene Gruppen von sechs bis acht Patienten an, die über mehrere Wochen eine Betreuung nach festem Plan vorsehen (je nach Gruppe zwei bis sechs Wochen).

Speziell ist in Tutzing auch eine Seniorengruppe für betagte Patienten eingerichtet. Neben den zeit- und betreuungsintensiven Blockprogrammen bieten wir auch kürzere Therapieprogramme an, die je nach erforderlicher Therapieintensität über unterschiedliche Dauer an einem oder zwei Tagen pro Woche erfolgen. Basisinhalte der Programme sind körperliches Training inklusive Schulung der Körperwahrnehmung, Schmerzbewältigungstraining, Wissensvermittlung zu schmerzbezogenen Themen und Entspannungstraining. Meist wird zudem eine psychologische Gruppen- und/oder Einzeltherapie angeboten, häufiger auch ein Training sozialer Kompetenzen. Damit wird eine sehr hohe und für die Patienten anstrengende Therapiedichte erreicht.

Es kann notwendig sein, dass Patienten an einem Vorbereitungsprogramm für die Blockprogramme teilnehmen müssen, beispielsweise, um ausgleichbare körperliche Einschränkungen zu beheben oder die Scheu vor Gesprächsgruppen abzubauen. Diese Vorbereitung erfolgt ebenfalls in Form multimodaler Angebote auf möglichst breiter Ebene.

Ein spezielles Gruppenangebot haben wir für Patienten entwickelt, die an einem Fibromyalgiesyndrom leiden.
Während der Zeit der Blockprogramme bieten wir unseren Patienten die Unterkunft in unserem preiswerten Gästehaus an (derzeit 10€/Nacht).

Resultate – wissenschaftliche Ergebnisse

Extrem positive Daten zur Wirksamkeit eines diagnoseunabhängigen multimodalen Therapieprogramms bei Rückenschmerzen und anderen Schmerzen wurden unlängst erstmalig für Deutschland publiziert (Pöhlmann, K. Et al., Der Schmerz, Februar 2009). Dabei zeigten sich signifikante Veränderungen mit mittleren bis hohen Effektstärken. Die Ergebnisse blieben über den Zeitraum von sechs Monaten stabil. Die Back-to-work-Rate (Patienten, die danach wieder arbeitsfähig waren) lag nach sechs Monaten bei 63%. Dies belegt eindrucksvoll, dass unter den oben dargestellten Bedingungen auch bei hoch chronifizierten Schmerzpatienten sehr gute und stabile Behandlungsergebnisse erreicht werden können.

 

Entzugsbehandlung

Entzugsbehandlung

Unser Schmerzzentrum ist ausdrücklich keine Entzugsklinik! Bei Medikamentenfehlgebrauch versuchen wir in den Fällen, bei denen es medizinisch möglich und vertretbar erscheint, eine medikamentöse Neueinstellung und ggf. einen begleitenden Medikamentenentzug vorzunehmen. Das Schmerztherapie-Team erarbeitet dann mit dem Patienten einen abgestimmten Behandlungsplan nach klaren Richtlinien. Für komplizierte und langjährige Abhängigkeitssyndrome (Hoch dosierte Opioide, Benzodiazepine, Polytoxikomanie) sollte unbedingt vor der Therapie in unserem Hause eine hierauf spezialisierte Einrichtung kontaktiert werden.

Schmerzunterdrückung mit TENS

SCHMERZUNTERDRÜCKUNG

Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) ist ein vom Patienten selbst anwendbares schmerzloses Verfahren mit elektrischem Strom zur Schmerzunterdrückung. Dabei werden Elektroden auf die Haut geklebt, über die Stromreize gesetzt werden, mit denen die Schmerzempfindung überdeckt wird. Jede Behandlung ist auf den einzelnen Patienten individuell abgestimmt. Als zusätzliche Therapie bei bestimmten Erkrankungen haben wir hiermit sehr gute Erfahrungen gemacht. Das Verfahren ist quasi risikolos und nebenwirkungsfrei.

Psychologische Schmerztherapie

PSYCHOLOGISCHE SCHMERZTHERAPIE

Die Anwendung psychologischer Schmerztherapie hat nichts mit "verrückt sein" zu tun. Sie ist ein zusätzliches, wichtiges Angebot, um mit den bestehenden Schmerzen besser umzugehen. Die notwendigen medizinischen Behandlungen werden dadurch nicht beeinträchtigt, vielmehr werden diese parallel weitergeführt und unterstützt.

Gemäß dem bio-psycho-sozialen Erklärungsmodell besteht chronischer Schmerz einerseits aus der körperlichen Schmerzempfindung, andererseits aus dem psychischen Leiden. Zu Beginn besteht z.B. ein akuter Schmerz, der sich im Laufe der Zeit verstärkt, wodurch sich die psychische und soziale Konstitution des Betroffenen verändert. Diese Veränderung führt schließlich zu einer weiteren Verstärkung des Schmerzes, was wiederum Psyche und soziales Leben negativ beeinflusst. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist die Einbeziehung eines Psychologen unserer Erfahrung nach häufig sehr nützlich und sinnvoll.

Was leistet Psychologie mit welchen Methoden?

Ziel psychologischer Schmerztherapie ist es, den Patienten zur Selbstkompetenz im Umgang mit den Schmerzen und deren Folgen zu verhelfen, so dass sie nicht mehr passiv leiden, sondern aktiv und bewusst in das Schmerzgeschehen eingreifen können. Das Schmerzproblem wird durch Psychologen im gesamten Lebenszusammenhang gesehen. Sie beziehen sowohl die sensorische (Empfindung und Rhythmik) als auch die affektive Komponente (Gefühle und Schmerzangst) in ihre Behandlung mit ein.

Je nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten finden verschiedene Ansäzte Anwendung: neben kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansätzen (Denken, Wahrnehmung, Bewertung des Schmerzes, Aufmerksamkeit, Gedächtnisaspekte) auch konfliktbezogene Gespräche zur Stressverarbeitung: Übungen zur Schmerzbewältigung, verschiedene Entspannungsverfahren, Biofeedback, Problemlösungstrainings, Selbstsicherheitstrainings sowie Kommunikationstrainings.

Bei einigen Patienten bestehen noch weitere psychische Beschwerden oder Konflikte, für deren Behandlung eine längerfristige Psychotherapie notwendig ist. In diesen Fällen helfen wir gerne, einen wohnortnahen Therapieplatz zu finden.

Derzeit arbeiten sieben Psychologen/innen unter der Leitung von Dr. rer. med., Dipl. Psych., Dipl. Soz. Päd. Iris Liwowsky in unserem interdisziplinären Team in Feldafing. Alle Kolleginnen und Kollegen haben fundierte schmerzpsychologische Erfahrung und arbeiten mit verschiedenen Schwerpunkten. Somit können wir in Feldafing den Problemen unserer Patienten sehr individuell begegnen.

Flyer Schmerzzentrum Starnberger See Tutzing & Feldafing (PDF)
Aktuelles Programmangebot (PDF)

Das Team der Oberärzte

Prof. Dr. med. habil. Rainer Freynhagen, D.E.A.A.

Chefarzt des Zentrums für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerzmedizin
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Tel:
(08157) 28-5507
Fax:
(089) 255513-1704

Dr. Carolin Bühler-Göpfert

Oberärztin
Schmerztherapie Tagesklinik

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Dr. Jens Knauer

Oberarzt Stationäre Schmerztherapie

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Dr. rer. med., Dipl. Psych., Dipl. Soz. Päd. Iris Liwowsky

Psychologische Psychotherapie
Verhaltenstherapie
Leitende Psychologin
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Tel:
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(089) 255513-1704

Dr. Hubertus Matzner

Geschäftsführender Oberarzt
Schmerztherapie Tagesklinik

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Dr. Susanne Neumahr

Oberärztin
Stationäre Schmerztherapie

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Dr. Thomas Reiter

Oberarzt
Schmerztherapie

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